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Intensivkurs Energiebeschaffung; Baden
06.09.2016 - 07.09.2016 Branchenwissen Strom; Baden
06.09.2016 - 07.09.2016

01.09.2015 von: Peter Kieffer, Präsident - Verein Smart Grid Industrie Schweiz

Energiedaten – die Herausforderung der Zukunft

Wohl nie zuvor hat ein Roman in der Energieversorgungsbranche so kontroverse Reaktionen ausgelöst wie „Blackout“. Einige Energieversorger hatten Angst vor negativen Folgen in der Bevölkerung, und es gab Kreise, die es am liebsten verboten hätten. Wovor hatten sie Angst? Sind diese Ängste berechtigt?

Das Buch zeigt zunächst auf, wie stark unsere Gesellschaft von einer reibungslosen, unterbrechungsfreien Stromversorgung abhängig ist, und wie entsprechend rasch es geht, bis die gesamte Volkswirtschaft kollabiert, wenn die Versorgung mit elektrischem Strom ausbleibt: Keine Kommunikation, kein Transportwesen, keine Einrichtung des Gesundheitswesens und keine Nahrungsmittel-Verteilkette übersteht ein länger andauerndes Blackout. Gnadenlos skizziert Elsberg den Niedergang Europas, innerhalb weniger Wochen greifen mittelalterliche Zustände um sich.

Dann legt das Buch aber auch die Verletzlichkeit des Systems offen. Wo Daten übertragen werden, können Sicherheitslücken entstehen, und es kann Unfug getrieben werden. Im Buch nimmt die Krise ihren Anfang, indem in Italien über ein gehacktes Smart Metering System massenweise Haushalte gleichzeitig vom Netz getrennt werden, kurz später wieder eingeschaltet, was das System ausser Takt bringt und letztlich zum Blackout führt.

Der Schriftsteller hat sich für seinen Roman mit dem Beispiel aus Italien ein Smart Metering System der allerersten Generation ausgesucht. Heutige Smart Metering Systeme sind auf der ganzen Kette verschlüsselt, aufwändige Verschlüsselungen stellen sicher, dass unbefugte Zugriffe wie bei Marc Elsberg nicht mehr so einfach vorgenommen werden können.

Zwar für den einzelnen Betroffenen unangenehm bis tragisch, aber immerhin nicht in der Breite zur Krise führend sind einerseits das Risiko der Datenverfälschung, also z.B. die Übermittlung falscher/zu tiefer Zählerstände mit dem Ziel der ungerechtfertigten Bereicherung, und andererseits das Risiko des Verlusts der Privatsphäre: Smart Meters können so einiges über das Verhalten der Verbraucher aussagen, wann sie morgens aufstehen zum Beispiel, wann sie ihre Wäsche waschen, kochen oder Fernsehen. Das verängstigt viele Leute, und sie wehren sich gegen diese Art erzwungener Striptease. Geschürt werden diese Ängste noch durch Schauergeschichten wie jene, in denen behauptet wird, aufgrund des Stromverbrauchs könne erkannt werden, welches TV Programm Sie gerade konsumieren. Erstens ist dies bloss mit sehr grossem technischen Aufwand möglich, z.B. mit einer sehr hohen Abtastrate, und dem Rausfiltern aller anderen Verbraucher wie etwa dem gleichzeitig laufenden Kühlschrank oder dem Kronleuchter im Wohnzimmer, und zudem weiss das der Kabelnetzbetreiber sowieso schon längst. Wer weiss was er mit diesen Daten macht….

Wir sind uns alle einig: die Welt ist nicht mehr so wie sie mal war. Bedrohungen haben zugenommen, es gibt immer mehr Kräfte, die es darauf abgesehen haben, Schaden anzurichten, aus welchem Grund auch immer. Entsprechen wird vermehrt über die Sicherheit der gesamten Energieversorgungskette diskutiert. Dabei kommen bisweilen skurrile Zustände zutage wie etwa Anlagenteile, zu denen jeder Sekundarschüler sich innert Minuten Zugriff verschaffen kann, oder Datennetze, deren Zugriffs-Passwort der Hochzeitstag des Betriebsleiters ist. Es ist Zeit, sich dem Thema Datenschutz und Datensicherheit zu stellen. Die Industrie hat Lösungen bereit, sie müssen nur umgesetzt werden, ohne Kompromisse, und lückenlos. Das kostet etwas Geld, ist aber ein Klacks im Vergleich mit dem potenziellen Schaden, der ein Blackout anrichten könnte.

Branche und Politik haben ihre Hausaufgaben gemacht. Die Ängste werden ernst genommen, Bedenken und Sorgen diskutiert. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet unter der Federführung des Bundesamtes für Energie eine entsprechende Strategie „Datenschutz und Datensicherheit“ mit dem Ziel, den schmalen Pfad zwischen naivem „Blaue-Augen-alles-bleibt-gut“ und den sprichwörtlichen Kanonen, mit denen auf Spatzen geschossen wird, zu beschreiten. 

Swissmig, der Verein Smart Grid Industrie Schweiz, arbeitet in dieser Expertengruppe von Anfang an mit und vertritt dabei die in der Schweiz ansässige Industrie. Die über 30 Mitgliedsfirmen sind hochkarätige Schweizer Anbieter von Technologielösungen für Smart Metering und Smart Grid. Der Verein Swissmig bündelt und engagiert sich für die Interessen der Schweizer Anbieter entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Verein vertritt die Schweizer Industrie aktiv in Fachgruppen und Kommissionen beim Um- und Ausbau der Energienetze. Der Schweizer Werkplatz verfügt über zahlreiche innovative Unternehmen, welche mit ihren Branchenlösungen die Energieversorger in deren zukünftigen Herausforderungen unterstützen und begleiten.

Weil Energiedaten und der Umgang mit ihnen ein derart zentrales Thema sind, organisiert der Verein Swissmig bereits zum zweiten Mal eine Fachtagung mit Themenmesse. Nachdem im letzten Jahr der Schriftsteller Marc Elsberg als Gastredner erstmals in der Schweiz aufgetreten ist und über sein Buch „Blackout“ gesprochen hat, konnte das Organisationskommittee diesmal den Schritt von der Fiktion in die Realität machen und mit Dr. Sandro Gaycken aus Berlin DEN Kenner der realen Cybersicherheit verpflichten. Danach tritt Franz Grüter, Chef des Green Datencenter ans Rednerpult. Er glaubt, dass sich die Schweiz als sichere Insel für Datenspeicherung positionieren kann. Frank Schwammberger, IBM, zeigt wie Daten dank intelligenter Analyse zu neuen Geschäftsmodellen führen können, und Dr. Ursula Widmer, ISSS, spricht über den Datenschutz im Smart Metering. Dr. Maurus Bachmann, VSGS, legt die Sicht der Energieversorger dar und präsentiert das Konzept des Datahub. Der Tag wird abgerundet mit einem Referat von Dr. Lukas Schmid, der aufzeigt, wie wir uns von Trend- und Zukunftsforschung inspirieren lassen können.

A propos Datenschutz: Schützen Sie umgehend das Datum 23. Oktober 2015 in Ihrer Agenda! Als Passwort empfehlen wir „2. Swissmig Fachtagung Energiedaten“.

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