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01.06.2017 von: Prof. Dr. Edy Portmann; Hermann Engesser - Informatik-Spektrum

Smart Cities

Aus dem Informatik-Spektrum - Das Themenheft geht auf grundlegende Konzepte von Smart Cities ein und demonstriert exemplarische Entwicklungen und Anwendungen in unterschiedlichen Bereichen.

Frage: Herr Portmann, Herr Finger, In den letzten fünf bis zehn Jahren kann man feststellen, dass der Begriff ,,Smart Cities“ insbesondere auch in Europa erheblich an Attraktivität gewonnen hat. Die Spannweite ist erheblich: man findet diesen Begriff im Marketing, in der Politik und in der Wissenschaft. Welches sind die wichtigsten Intentionen von Smart City?

Edy Portmann: Die grundlegende Idee hinter ,,Smart Cities“ ist, dass Informations- und Kommunikationstechnologien für eine nachhaltigere, sozialere und ökologischere Gestaltung des städtischen Raumes eingesetzt werden können. Dazu benötigt man eine effiziente Sammlung und Auswertung stadtbezogener Daten, sowie die Koordination ihrer Nutzung mittels Internet- und Web-basierter Services. Dies dient natürlich zum einen der Effizienzsteigerung. Es geht jedoch auch ausdrücklich darum, den Bürgern Möglichkeiten zu eröffnen, ihren Lebensraum aktiv mitzugestalten.

Ziel ist es, die Stadt zu einem Ort zu machen, wo das Bedürfnis des Einzelnen nach individualisierten Formen der Lebensführung, welche Raum für die persönliche Entfaltung lassen, in Einklang mit den Ansprüchen der Gemeinschaft gebracht werden kann. Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche des städtischen Lebens. Besonders eindrücklich sind jedoch die Möglichkeiten, die mittlerweile etwa in den Bereichen Verkehr und Mobilität – sowohl im Individualverkehr, als auch mit Blick auf den öffentlichen Verkehr –, Umwelt- und Klimaschutz, Abfallmanagement, ressourcenschonende Nutzung von Energie und Wasser sowie der Bereitstellung von Dienstleistungen der städtischen Verwaltung angeboten werden können. Smart City zielt also darauf ab, ganz konkrete Probleme zu lösen und Bedürfnisse zu befriedigen.

Matthias Finger: Man findet diesen Begriff wirklich überall, aber das heißt jedoch noch lange nicht, dass der Begriff auch überall verstanden wird. Vielmehr ist Smart City in erster Linie ein Begriff der von Technologieunternehmen portiert wird, und zwar von ganz verschiedenen Technologieunternehmen: erstens solche, die im Hardware-Geschäft groß geworden sind und zum Beispiel Sensoren, RFIDs oder Beleuchtungen herstellen. Diese sehen Smart Cities in erster Linie als Generierung von Daten. Dann sind es auch die Technologieunternehmen, die im Transport von Daten unterwegs sind, wie zum Beispiel Telekom-Anbieter oder Internet-Services-Provider. Diese sehen in Smart Cities die Vernetzung. Drittens sind es Technologieunternehmen, die Networking-Hardware herstellen. Diese wiederum sehen in Smart Cities das Potential die Daten zu verlinken und zu managen. Schließlich, finden wir Promotoren von Smart Cities ebenfalls bei Software- und Technologie-Consulting-Unternehmen. Für sie ist Smart City intelligente Datenanaly e. Was bisher aber fehlt, sind die Städte selbst, die sich den Begriff, Smart City“ erst noch anzueignen haben. Kurzum, Smart City bedeutet bis jetzt vor allem das Generieren von großen Datenmengen; was genau mit diesen Daten gemacht werden kann und soll, steht noch aus.

Frage: Welche Verbesserungen erhofft man sich durch die Anwendung von Big DataKonzepten?

Edy Portmann:
Eine Stadt kann durch Sammlung, Aufbereitung und Nutzung qualitativ hochwertiger Daten, smarter“ werden. Eine erste wichtige Aufgabe der Informations- und Kommunikationstechnologien in smarten Städten besteht daher in der Sammlung von urbanen Daten. Diese müssen dann analysiert, strukturiert und zu Informationen aufbereitet werden, bevor sie den jeweiligen Stakeholdern zur Verfügung gestellt werden können, um konkrete Probleme in Angriff zu nehmen. Unter Big Data versteht man Datenbestände, deren Volumina im Tera- bis Zettabereich liegen, die eine große Vielfalt von strukturierten, semi-strukturierten und unstrukturierten Daten aufweisen und mit großer Geschwindigkeit, fast real-time, verarbeitet werden können. Dieses riesige Reservoir an (urbanen) Daten erlaubt präzisere Antworten auf Problemstellungen, die auf dieser Basis ebenfalls weiter präzisiert werden können. Auf diese Weise können wiederum differenziertere Lösungen entwickelt werden, insofern möglichst viele Blickwinkel, die in den Daten zum Ausdruck kommen, angemessen berücksichtigt werden können. Hier liegt allerdings auch die Herausforderung, denn die Antworten, die auf der Basis von Big Data generiert werden können, sind nur so gut wie dieFragen, die an diese Datenbestände gerichtet werden.

Matthias Finger: Klar ist, dass Smart-City-Konzepte zur Effizienz der städtischen Infrastrukturen beitragen werden: effizientere Transportlösungen, effizientere Wasserdistribution, effizienteres Energiemanagement etc. Dadurch können sowohl für die Bürger als auch für die Städte Kosten eingespart werden, sowohl im Unterhalt der städtischen Infrastrukturen, als auch beim Ausbau dieser Infrastrukturen. Zum Effizienzgewinn gehört ebenfalls die Tatsache, dass durch solche smarten Lösungen, die Leute kürzer im Stau stehen oder schneller personalisierte Dienstleistungen erhalten.

Frage: Bietet das Konzept der Smart City auch die Möglichkeit, eine Stadt widerstandsfähiger zu machen, sei es gegen Ereignisse oder auch gegen Krisen?

Matthias Finger:
Ja, Widerstandsfähigkeit oder Resilienz ist neben den Effizienzgewinnen sicher eine zweite große Stärke des Smart-City-Konzepts. Die großen Datenmengen – werden sie effektiv analysiert – erlauben es, Risiken zu antizipieren und dementsprechend präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Edy Portmann:
Dazu kann man vielleicht Naturkatastrophen wie den Hurrikan Katrina, der im August 2005 den Südosten der USA heimgesucht hat, zur Verdeutlichung heranziehen: Die Stadt New Orleans stand damals wochenlang und zum Teil metertief unter Wasser; das mangelhafte Katastrophenmanagement hatte zu heftiger Kritik an den Verantwortlichen geführt. Hier wären zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für Smart-City-Konzepte denkbar und auch sehr sinnvoll gewesen. Ähnliches gilt für Erdbeben, Hochwasser oder Waldbrände.

Ein weiteres Thema, das ganz aktuell viele Menschen bewegt und sehr verunsichert, ist die Gefahr durch den internationalen Terrorismus. Auch hier könnten Initiativen aus dem Bereich Smart City dazu beitragen, derartige Gefahrensituation zu entschärfen oder zumindest besser darauf zu reagieren.
Lesen Sie hier das gesamte Interview: digitaleschweiz.ch


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