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Innovationsforum Energie; Zürich
30.08.2021 - 31.08.2021

01.05.2021 von: Walter Steinmann - Steinmann Consulting

Auf dem Weg zu Netto Null und Nachhaltigkeit

Noch stellt Bundesrätin Simonetta Sommaruga den Unternehmen der Energiebranche nicht direkt die Frage, wie sie Netto-Null bis 2050 erreichen wollen. Noch haben auch die meisten Regierungen von Städten und Gemeinden keine klaren Massnahmenpläne zur Umsetzung der Klimaziele und lassen ihre EVUs darum einfach mal weitermachen wie bisher. Noch können deshalb einige rückwärts orientierte Kader in der Energiewirtschaft im Hintergrund gegen das CO2-Gesetz Stimmung machen. In der Hoffnung, dass sie ihr bisheriges Business – zumindest bis zu ihrer Pensionierung – nicht gross verändern müssen.

Grosskunden verlangen Netto-Null subito
Aber: Bereits wollen erste Grosskunden von ihren Lieferanten klimaneutral und nachhaltig bedient werden. Und sie geben dafür ziemlich klar den Tarif durch. Dass sich der Lieferant mit dem Zukauf von Zertifikaten grünwäscht, reicht ihnen nicht. Sie verlangen, dass diese Zertifikateinkäufe jährlich abnehmen und der Lieferant dafür im Betrieb, bei der Mobilität oder beim Einkauf konkrete Klimaschutzmassnahmen umsetzt. Es gibt sogar erste schweizerische Grossunternehmen, die ihren Zulieferern konkrete Deadlines setzen: Ab 2023 oder 2025 muss Netto-Null definitiv umgesetzt sein, Konzepte und erste Resultate müssen bald präsentiert werden.

Der Schweizer Strommix und seine CO2-Intensität
Und schon sind externe Ingenieurbüros daran, Daten auszuwerten, ganzheitliche Analysen vorzunehmen, Optimierungsvorschläge mit Effizienzmassnahmen, sowie Pläne für den Zubau von erneuerbaren Energien oder alternativen Mobilitätskonzepten zu machen. Dabei werden Dinge in Frage gestellt, die bisher als «selbstverständlich» galten. So etwa die Geschichte des fossilfreien Strom-Mixes der Schweiz. Zwar ist der Schweizer Eigenproduktionsmix fast fossilfrei. Und dass den Kleinkonsumenten auf Jahresbasis – wie von ihren Lieferanten versprochen – nur grünen Strom geliefert wird, sichert der Zukauf von Herkunftszertifikaten (HKN) ab. Nun: Vor wenigen Wochen wurden im Internet Echtzeitdaten aufgeschaltet, die ein ganz anderes Bild zeigen:

https://www.electricitymap.org/zone/CH

Und nun beginnt die Diskussion, ob die HKN künftig auf Quartals- oder Monatsbasis ausgegeben werden sollten, um so der erneuerbaren Stromproduktion insbesondere im Winter zusätzlichen Schub zu verleihen. Und sollen bei uns noch HKN-Zertifikate aus dem EU-Raum akzeptiert werden, wenn doch die Schweizer HKN in der EU nicht mehr anerkannt werden? Das sind die kleinen und grösseren Fragen bei den ersten Schritten hin zu Netto-Null…

Netto-Null als Treiber für Nachhaltigkeitsberichte
Netto-Null schleicht sich auch in das Tagesgeschäft vieler Firmen ein. Konsumenten werden kritischer, akzeptieren die bisherigen Deklarationen nicht mehr und verlangen zusätzliche Informationen. Bestimmte Verhaltensweisen sind plötzlich verpönt und die bewusst eingeschränkte Lebensdauer einzelner Produkte wird zu einem No-go. Die Börse beginnt zu reagieren: Nachhaltigkeitskapitel in den Jahresberichten oder gar eigenständige Nachhaltigkeitsberichte werden zu einem Must für die Firmenbewertungen durch Banken und die Börse. Glaubwürdige Konzepte sind gefragt, Pionierleistungen werden erwartet und ein breiter Ansatz einschliesslich des Einbezugs des Personals honoriert.

7 wichtige Punkte bei der Einführung von Netto Null- und Nachhaltigkeitszielen
Mir sind beim Lesen diverser Nachhaltigkeitsberichte folgende Punkte aufgefallen:

  • Nachhaltigkeit ist ein Konzept, welches die Dimensionen Mitarbeitende, Umwelt/ Energie/Klima sowie Wirtschaft integriert und zu optimieren sucht wie dies etwa die SDG-Ziele der UNO skizzieren.
  • Neben aktuellen Daten sind langfristig umsetzbare Strategien wichtig, um nicht bei Klein/Klein zu bleiben.
  • Kreislaufwirtschaftsansätze werden in diesen Überlegungen immer wichtiger: Was geschieht mit den Produkten am Ende ihrer Lebenszeit? Recycling? Second Life?
  • Eigene konkrete Massnahmen bringen Identifikation sowie Dynamik. Sie sind deshalb weit attraktiver als der Zukauf von Zertifikaten. Mir gefällt beispielsweise das Wiederaufforsten verödeter Gebiete als konkreter Beitrag zur CO2-Reduktion.
  • In die Mitarbeitenden wird ebenfalls langfristig investiert und nötigenfalls werden Personen requalifiziert, weil sie die nötigen Veränderungen aktiv mitgestalten und mittragen sollen.
  • Zentral ist die Ansiedlung des Nachhaltigkeitsteams in der Nähe des CEO.
  • Alle grossen Unternehmensberatungs- und Treuhandfirmen haben inzwischen Nachhaltigkeitsdepartemente aufgebaut. Sie können bei der Initialisierung und Ausarbeitung von Nachhaltigkeitskonzepten eine Götti-Funktion einnehmen. Dominieren muss in diesen Konzepten aber die firmeneigene DNA. Nur so lassen sie sich erfolgreich umsetzen.

Ich bin gespannt, wie viele Unternehmen der Energiebranche 2025 noch Jahresberichte ohne Nachhaltigkeitsreport publizieren werden.
Quelle und gesamter Artikel: steinmannconsulting.ch


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