01.10.2019 von: Walter Steinmann - Steinmann Consulting

Meine neue ABC-Schulung

In der Rekrutenschule wurde ich 1971 umfassend im Umgang mit ABC-Ereignissen geschult: A stand für Atom, B für Biologische und C für Chemische Waffen. Wir lernten die Gefahren und möglichen Auswirkungen erkennen und wir wurden angewiesen, dass wir nach dem Abwurf einer Atombombe uns vorerst mit der Regenpellerine schützen, diese anschliessend mit Wasser aus der Feldflasche reinigen und dann sofort weiterkämpfen sollten. So easy schien damals ein Atomschlag bewältigbar, so rasch wir wieder kampfbereit, so wenig wurden uns die langfristigen Schäden für Mensch und Natur aufgezeigt.

Hilfe: Ich bin ein erhöhtes Risiko
Als Third Party Intermediary (TPI) oder externer «senior advisor» von Credit Suisse Energy Infrastructure Partners (CSEIP) wurde ich vergangene Woche wiederum zu einer ABC-Schulung eingeladen. Bei CS steht aber ABC für Anti-Bribery- and Corruptionschulung, ein in der Finanzwelt wichtiges Thema. Etwas sauer stiess mir auf, dass ich gleich doppelt die Voraussetzungen erfülle, um dabei in die Hochrisiko-Gruppe eingestuft zu werden: denn der Energiesektor gilt in der CS als global tätiger Organisation als speziell korruptionsgefährdet, zudem werden ehemalige Government Officials GO als speziell hohe Risiken angesehen. Denn GOs kennen meist die wichtigen Netzwerke sehr gut und könnten deshalb selbst Bestechungsgelder annehmen oder bestimmte Personen beeinflussen, welche gegen Bezahlung einen Entscheid zugunsten der CS oder ihrer Klienten fällen könnten. Ich habe dabei erfahren, dass ich bereits ein spezielles Screening durchlaufen habe und nach der eben bestandenen Grundschulung künftig periodisch auf die ABC-Risiken aufmerksam gemacht werde. Zudem haben mich meine Partner von CSEIP speziell im Tagesgeschäft zu beobachten, weil ich ja dieser Gruppe mit erhöhtem Risiko angehöre. Mit all diesen Massnahmen will die CS das Reputationsrisiko reduzieren sowie Imageverluste verhindern.

Korruption in der Schweiz: Bratwurst statt grosse Geldsummen?
Peter Bichsel, die lebende Legende der Schweizer Literatur, hat vor Jahren geschrieben, in der Schweiz gäbe es kaum offene Korruption mit grossen Geldzahlungen, bei uns sei die Einladung zu Bratwurst und Rösti das gängige Level der Beeinflussung. Denn in unserem kleinen Land mit seinen vielen branchenspezifischen Netzwerken weiss jeder und jede, dass man sich im (Berufs-)Leben mehrere Male sieht und man sich deshalb idealerweise so verhält, dass man sich auch bei einem neuen Zusammentreffen in die Augen schauen kann. Da sind gute Beziehungen, unterlegt durch ein währschaftes Mahl, oft ein nicht unwichtiges Rezept, um ein Projekt voranzubringen.

Natürlich haben inzwischen beim Staat wie bei den Banken Vorschriften Einzug gehalten, wie gross die Bratwurst resp. wie fein das Essen sein darf, ohne dass es in den Verruf der Korruption kommt. Dafür wurden in den Banken spezielle Abteilungen aufgebaut, welche nun die Grösse der Bratwürste sowie die Qualität des zu geniessenden Weins einzelfallweise bewilligen und schauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht und so die Reputationsrisiken minimiert werden.

Von ABC-Reputationsrisiken zu Imageverlusten durch Beschattungen
Während in den Niederungen der Institutionen also Schulungen zu den neuen ABC-Risiken gemacht werden und dabei gerne auch auf ethische Werthaltungen verwiesen wird, präsentiert sich die Spitze dieser Organisation derzeit ziemlich anders. Wer Detektive beauftragt, sich an die Fersen von zu Observierenden zu heften und dabei die direkte Konfrontation inkl. Angsteinflössen nicht scheut, der scheint mir irgendwie im falschen Film zu sein. Früher hat man in der Schweiz über den militärischen Geheimdienst gelacht, dessen Beschatter aufgeflogen sind, heute schüttelt man irritiert den Kopf, wenn unbescholtene Bürger in unserer Wirtschaftshauptstadt Zürich von angeheuerten Rambos verfolgt werden. Und ich denke, dass Reputationsrisiken in den vergangenen Tagen bereits eingetreten sind und das tröpfchenweise Herausplappern immer neuer Details dieses Streits tagtäglich zu einem weiteren Imageverlust beiträgt.


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