07.06.2019 von: David Grosspietsch

Dezentrale Energiesysteme

Stand der Dinge international und in der Schweiz
Dezentrale Energiesysteme sind Systeme beziehungsweise Zusammenschlüsse von mehreren, mit erneuerbarer Energieproduktion ausgestatteten Gebäuden, die verschiedene Energieträger wie Strom, Wärme oder Wasserstoff kombinieren sowie Technologien zur Energiespeicherung (z.B. Batterien, thermische Speicher) und -umwandlung (z.B. Wärmepumpen, Elektrolyseur) umfassen. Ziel ist, den Grossteil des Energieverbrauchs mit lokaler Produktion zu decken, indem die Flexibilität der eigenen Speicher und die Umwandlung von Energieträgern (Power-to-Heat/-Gas) genutzt wird.

Dezentrale Energiesysteme versprechen trotz hoher Anfangsinvestitionen zahlreiche Vorteile wie die Senkung der Energiekosten durch höhere Eigenverbrauchsquoten oder die Glättung von Leistungsspitzen durch Energiespeicherung und -umwandlung. Dadurch kann die Flexibilität im Niederspannungsnetz steigen und ein Netzausbau allenfalls vermieden werden. Weitere Vorteile können auch die Integration von Strom-, Gas- oder Wasserstoff- basierter Mobilität und das Bereitstellen weiterer Dienstleistungen wie Regelenergie sein. Auch in der Schweiz gibt es bereits mehrere erfolgreiche Beispiele dezentraler Energiesysteme, vom Einfamilienhaus bis zum Industrieareal. Ein anschauliches Beispiel für zukünftige Anwendungsfelder ist das energieautarke Mehrfamilienhaus der Walter Schmid AG in Brütten, das seit Mitte 2016 in Betrieb ist. Energetisch vernetzte Nachbarschaften im urbanen Umfeld sind aber ebenso denkbar wie autarke Systeme in abgelegeneren Regionen. Das reibungslose Zusammenspiel verschiedener Technologien, Akteure und Institutionen ist kritisch für eine erfolgreiche grossflächige Einführung dezentraler Energiesysteme.

Konsequenzen für die Schweiz
Der Trend zu dezentralen Energiesystemen wird sich künftig durch die globale Entwicklung der Technologiekosten sowie die Kopplung der Sektoren Elektrizität, Industrie, Verkehr und Wärmeversorgung (bzw. Kälte) verstärken. Da der Schweizer Bau- und Energiebereich im internationalen Vergleich als innovativ anzusehen ist, bieten sich der Schweiz wirtschaftlich viele Chancen, insbesondere bei der Entwicklung, Finanzierung, Umsetzung und dem Betrieb solcher Systeme. Die Fähigkeiten zu integrativen Systemlösungen mit zahlreichen technologischen Konfigurationen und einer Vielzahl an Stakeholdern bleiben aber kurz- und mittelfristig eine Herausforderung.
Quelle und gesamter Artikel auf satw.ch


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