06.02.2017

"Gute Voraussetzungen für die Energiewende schaffen"

Der haushälterische, ressourcenschonende Umgang mit Energie und die Reduktion der Treibhausgasemissionen sind nationale Aufgaben. Das Bundesamt für Energie (BFE) koordiniert, begleitet und fördert die Massnahmen, mit welchen die gesteckten Effizienzziele erreicht werden sollen. Als Fahrplan gilt die Energiestrategie 2050. Seit dem 1. Oktober 2016 steht beim BFE ein neuer Kapitän auf der Kommandobrücke. Der ausgebildete Jurist Benoît Revaz löste auf dieses Datum den in den Ruhestand tretenden Walter Steinmann als BFE-Direktor ab. Aus seiner früheren Tätigkeit in der Energiewirtschaft verfügt Benoît Revaz über einen grossen Erfahrungsschatz, um Impulse für die energetische Zukunft des Landes zu setzen.

Sie sind seit gut 100 Tagen als BFE-Direktor im Amt. Was ist seither geschehen?
Seit dem ersten Tag im BFE bin ich direkt in die strategischen Fragen und in das Tagesgeschäft eingestiegen. Ich kannte die Bundesverwaltung bisher nur von aussen. Es ist beeindruckend, was die BFE-Mitarbeitenden alles leisten und wie effizient die Prozesse ablaufen.

Welches sind aktuell die wichtigsten Ziele, welche das BFE verfolgt?
Die Aufgaben und damit die Ziele des BFE sind klar. Das BFE schafft die Voraussetzungen für eine ausreichende, krisenfeste, breit gefächerte, wirtschaftliche und nachhaltige Energieversorgung. Es sorgt auch für hohe Sicherheitsstandards bei der Produktion, dem Transport und der Nutzung von Energie. Wichtige Ziele sind auch eine effiziente Energienutzung bei allen Energieträgern, die Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien sowie die Senkung der CO2-Emissionen.

Der Energiemarkt hat sich radikal verändert und die Schweiz muss sich den neuen Realitäten anpassen. So wird die Energieversorgung mit der Digitalisierung intelligenter. Daraus ergeben sich neue Chancen und Geschäftsmodelle aber auch gewisse Risiken. Die Energieversorgung ist über die letzten Jahre auch klar dezentraler geworden. Energie wird immer öfter  lokal in und rund um Gebäude produziert, zwischengespeichert und zeitlich optimiert genutzt. Diese beiden Trends, Digitalisierung und Dezentralisierung, werden zusammen mit der Dekarbonisierung die Energiewelt in den nächsten Jahrzehnten stark prägen. Deshalb ist es auch Aufgabe des BFE die Trends zu analysieren, Entwicklungen zu antizipieren und den Umbau hin zu einer nachhaltigen modernen Energieversorgung und -nutzung zu unterstützen.

Die Digitalisierung spielt beim Wandel der Energielandschaft eine wichtige Rolle. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?
Die Digitalisierung steht im Energiebereich noch am Anfang. Neue Gebäude werden beispielsweise immer mehr wie Smartphones gesteuert werden können. Das bringt neuen Komfort für die Bewohner und neue Geschäftsmodelle für verschiedenste Marktakteure. Mit der Digitalisierung werden auch immer mehr Daten zu Energieproduktion, -transport und -nutzung verfügbar. Die Analyse grosser Datenmengen wird es beispielsweise auch ermöglichen verschiedenste Teile der Energienetze effizienter zu betreiben.

In Einklang mit der Strategie des Bundesrates für eine digitale Schweiz wollen wir dazu beitragen, dass die Chancen der Digitalisierung im Energiebereich genutzt werden können. Das BFE unterstützt beispielsweise die technische und wirtschaftliche Erprobung im Rahmen von einigen sehr spannenden Forschungs-, Pilot- und Demonstrationsprojekten.

Mir ist der persönliche Austausch mit Unternehmen sehr wichtig. Im Bereich Digitalisierung findet dieser unter anderem über die "Spurgruppe Digitalisierung" des BFE statt. Sie verfolgt die Entwicklungen und tauscht sich bei Bedarf mit internen und externen Fachpersonen zu verschiedenen Trends und möglichen Folgen auf den Energiebereich aus.

Im vergangenen Jahr hat das Parlament das Energiegesetz mit der Energiestrategie 2050 verabschiedet. Wie bereitet sich das BFE auf den Urnengang zu diesem Gesetz vor?

Das BFE unterstützt den Bundesrat bei der sachlichen Information der Bevölkerung über diese vom Parlament verabschiedete Vorlage. Die Bevölkerung kann jetzt zur Energiezukunft Stellung nehmen, und das ist gut so.

Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050, über das die Schweiz am 21. Mai 2017 abstimmen wird, ist ausgewogen und es ist vor allem ein wichtiger erster Schritt auf einem noch langen Weg. Die Kosten für die Haushalte und die Unternehmen sind absolut tragbar. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass Cleantech einer der weltweit wichtigsten und sichersten Wachstumsmärkte ist. Die Schweiz ist hier gut aufgestellt, wir sollten diese Chance für unsere hochinnovativen Unternehmen nutzen. Mit jeder Energiespar-Massnahme und mit jeder Anlage zur Produktion von erneuerbarer Energie bleibt ein grosser Anteil der Wertschöpfung in der Schweiz. Anders, als wenn wir die entsprechende Menge an fossiler Energie oder Strom aus dem Ausland importieren.

Ich denke, dass wir und unsere Kinder in zwanzig Jahren froh sind, dass wir 2017 das neue Energiegesetz angenommen haben. Ganz ähnlich wie bei der Umweltgesetzgebung aus den 80er und 90er Jahren, die damals sehr umstritten war. Heute möchte niemand mehr die sauberen Gewässer und die saubere Luft missen, die wir grösstenteils den vor rund 30 Jahren eingeführten Vorschriften verdanken.

Gibt es zur Energiestrategie 2050 so etwas wie einen Plan B?
Die Schweiz kann die Augen vor den veränderten Marktrealitäten nicht verschliessen. Die Energiewelt wird sich in den nächsten Jahrzehnten grundlegend verändern, egal ob uns das passt oder nicht. Eine neue Energiepolitik gibt uns die Chance, diese Veränderungen für unser Land zu gestalten, Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen. Es geht darum, die Richtung aufzuzeigen und Rechts- sowie Investitionssicherheit für unsere Marktakteure zu schaffen.

Das erste Massnahmenpaket, über das dieses Jahr abgestimmt wird, ist ein gut schweizerischer Kompromiss, der auf Bewährtem aufbaut. Es wird die Voraussetzungen für eine sichere, effiziente und wirtschaftliche Energieversorgung der Schweiz klar verbessern. Den Energiemarkt wird es aber sicher nicht völlig umkrempeln.

Weitere Schritte zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 sind nicht Teil der Abstimmung vom 21. Mai 2017. Falls es weitere Gesetze und Massnahmen braucht, müssten wiederum zuerst Bundesrat und Parlament und anschliessend gegebenenfalls auch das Stimmvolk entschieden. Dieses bewährte, schrittweise Vorgehen ist gerade in einem sich stark verändernden Umfeld unerlässlich.

Durchs Jahr 2017 wird der energie-cluster.ch in verschiedenen Kursen, Tagungen, Innovationsgruppen und Weiterbildungsangeboten Massnahmen thematisieren, welche die Energieeffizienz fördern, vermitteln und auch zur Diskussion stellen. Mit welchem Support vom BFE darf bei diesen Anlässen gerechnet werden?
Wir sehen, dass die Veranstaltungen des energie-cluster.ch sehr gut besucht werden. Das ist ein guter Indikator. Das BFE wird ausgewählte Bildungs- und Innovationsförderungs-Angebote des energie-cluster.ch wie bis anhin mit Beiträgen zu einzelnen Angeboten unterstützen. Die Veranstaltungen und Plattformen des energie-cluster.ch leisten einen wichtigen Beitrag zum Austausch unter Schweizer Energiefachleuten.

Das Plusenergie-Gebäude ist ein Hauptanliegen des energie-cluster.ch. Durch das Building Information Modeling (BIM) wird es einfacher, die Energieeffizienz gesamtheitlich zu optimieren. Wie sehen Sie hier das Potenzial?

BIM wird die Planung und die energetische Optimierung von Gebäuden in Zukunft erleichtern. So kann es den logischen Schritt von energieeffizienten Gebäuden zu immer mehr energieeffizienten Plusenergiegebäuden beschleunigen. Der Austausch elektronischer Daten und Gebäudemodelle zwischen allen Beteiligten kann auch nützlich sein, um Energieproduktion und -verbrauch zu optimieren. BIM ist ein weiteres gutes Beispiel für die neuen Möglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben.
energie-cluster.ch auf Energie-Finder Schweiz.
Lesen Sie hier das gesamte Inetrview (PDF)
www.bfe.ch


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