29.06.2016

Stratege des digitalen Elektro-Engineerings

Die drei Buchstaben der HHM-Gruppe stehen für Hefti.Hess.Martignoni. Das Unternehmen mit sieben Niederlassungen in der Deutschschweiz hat seinen Hauptsitz in Aarau, in der Nähe des Bahnhofs. Zum Kerngeschäft gehört das klassische Elektro-Engineering. Hinzu kommen spezialisierte Beratungs- und Ingenieurdienstleistungen in den Bereichen Licht, Energie, Telematik, Gebäudeautomatik und Sicherheit. Die Referenzliste von HHM umfasst Projekte wie das Hochhaus SkyKey Oerlikon, das Richti-Areal Wallisellen, das BaufeldD der Europaallee Zürich, das DockB des Flughafens Zürich, das Einkaufs- und Freizeitzentrum Bern Westside sowie Abschnitte des Gotthard-Basistunnels. «Wir sind aber nicht nur bei Grossbauten dabei, sondern machen alles, von der Dreizimmerwohnung bis eben auch zum Prime Tower», sagt Urs von Arx (56). Einige hundert Projekte habe man permanent am Laufen. Dem operativen Chef wird es also garantiert nie langweilig, zumal auf dem Bau selten immer alles rund läuft.

MBO als Erneuerungsprozess
Die HHM-Gruppe mit ihren rund 200 Mitarbeitenden erhielt ihre heutige Form im Rahmen eines Management-Buy-outs (MBO), das 2010 über die Bühne ging. Vier Partner übernahmen damals alle Aktien der HHM Holding. «Die Gelegenheit nutzten wir, um gleichzeitig das Unternehmen zu erneuern und das Leistungsangebot zu modernisieren», betont der Mehrheitsaktionär. Auf diese Aufgabe vorbereitet hatte er sich im Rahmen eines EMBA an der Universität St.Gallen. Zur Weiterbildung entschloss er sich 2007, als sich abzeichnete, dass für den Betrieb eine Nachfolgelösung gesucht wurde. «Das Studium war wichtig, sowohl als Inspiration als auch zur Vorbereitung auf meine heutige Funktion.» Unter anderem entwarf von Arx in St.Gallen die Pläne für die neue Firmenorganisation. HHM benötigte unbedingt eine Führungsstruktur, die auch wieder zur Grösse des im Zeitraum 2000 bis 2010 von 70 auf 140 Angestellte rasch gewachsenen Unternehmens passte. Auch die HHM-Academy, eine firmeninterne Aus- und Weiterbildungsplattform mit mittlerweile 40 Kursmodulen, ist ein Resultat der EMBA-Weiterbildung. Überdies entstanden in St.Gallen viele weitere Ideen für die Unternehmensentwicklung, bei der Themen wie die Energiewende und die digitale Transformation ganz im Mittelpunkt stehen. Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist BIM (Building Information Modeling), also eine Methode zum Planen und Entwerfen von Gebäuden und Infrastrukturen im intelligenten und vernetzten Datenmodell. HHM ist dabei, die neue Technik einzuführen, und hat bereits ein halbes Dutzend BIM-Projekte am Laufen. Der CEO ist überzeugt, dass sich die neue Modellierungsmethode durchsetzen und den Bauprozess für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette revolutionieren wird.

Im nächsten Jahr kann von Arx bei HHM sein 30-Jahre-Dienstjubiläum feiern. Als Beinahe-Urgestein will er die 65-jährige Firma in eine erfolgreiche Zukunft führen. Nachhaltigkeit ist also das Ziel, das er mit wandlungsbegeisterten und veränderungsfitten Mitarbeitenden anstrebt. Jeder im Betrieb kann innovative Ideen in eine Sammelbox einspeisen. Das Unternehmen stellt dann die erforderlichen Mittel für die Bearbeitung bereit. «Unsere Leistungen sind grundsätzlich immer noch dieselben wie vor Jahrzehnten, doch das kann nicht die Zukunft sein», meint von Arx selbstkritisch. Er sieht die eigentliche Herausforderung darin, die künftigen Bedürfnisse des Marktes zu antizipieren und dafür die richtigen Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Es ist offensichtlich, dass der 56-Jährige – schlank, energiegeladen und jugendlich – strategisches Denken verinnerlicht hat. Dabei war er doch, wie er beteuert, einstmals ein ziemlich denkfauler und unmotivierter Schüler. Der Lerneifer erwachte erst später, an der Hochschule Luzern – Technik und Architektur. Nach der Lehre als Elektromechaniker und der Berufsmatura begann er dort im Jahre 1980 mit dem Elektroingenieur-Studium. «Dabei habe ich, erstmals in meinem Leben, richtig gelernt und meine Freude an der Mathematik entdeckt», so von Arx. Das Studium liegt nun über 30 Jahre zurück. Die Frage drängt sich auf, wieweit ihm das damals Gelernte heute noch von Nutzen ist. «Das Fachwissen jener Zeit ist natürlich in vielen Details längst überholt», räumt von Arx ein. «Aber was ich bis heute mitnehme, ist das Denken des Ingenieurs.» Es gehe darum, ein Problem in die einzelnen Bausteine zu zerlegen, zu analysieren und dann neu zusammenzusetzen. Diese Denkweise sei auch der Grund, dass Ingenieure häufig die besseren Chefs seien, glaubt er. «Denn sie interessieren sich für die einzelnen Problemstellungen und deren Beziehungen untereinander, und das hilft letztlich auch im Umgang mit Menschen.»

Grösster Lerneffekt? Praxis!
Die Wanderjahre des jungen Elektroingenieurs waren kurz. Sie führten ihn nach Baden in die Kraftwerksleittechnik von BBC, dann nach Freiburg zu Polytype, die Steuerungen für Produktionsmaschinen herstellte. Gleichzeitig begann er an der Universität mit dem Mathematikstudium, das er aber mangels Praxisbezug nach einem Jahr wieder an den Nagel hängte. Um wenig später, 1987, bei HHM seine Lebensstelle zu finden. Doch was heisst hier Lebensstelle? Sieben Jahre arbeitete er zuerst als Projektingenieur in Aarau. 1994 bot ihm das Unternehmen die Möglichkeit, eine Niederlassung zu gründen. Von Arx hob also den HHM-Standort Zug aus der Taufe. Auf die Aufgabe hatte er sich gründlich vorbereitet, indem er am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern vorgängig das Nachdiplomstudium Unternehmensführung absolvierte. Der Zeitpunkt für eine Neugründung war Mitte der 1990er-Jahre keineswegs ideal, denn die Bauwirtschaft steckte gerade in einer Krise.

Erst gegen die Jahrtausendwende nahmen die Geschäfte allmählich Fahrt auf, und die Zuger Niederlassung wurde im Laufe der Zeit immer grösser. Von Arx lieferte mit deren Aufbau das eigentliche Gesellenstück ab, das ihn für grössere Aufgaben prädestinierte. Als er 2012 die Geschäftsleitung in Zug seinem Stellvertreter übergab, zählte der Standort 35 Angestellte. Auch die HHM-Gruppe insgesamt hat unter der Führung von Arx’ in den letzten Jahren nochmals einen kräftigen Sprung vorwärts gemacht. Dazu beigetragen haben drei neue Büros, die in Basel, Bern und St.Gallen eröffnet wurden. Rückblickend auf seine berufliche Karriere scheint von Arx wichtig, dass er nie eine Weiterbildung auf Vorrat absolvierte, sondern stets situativ gehandelt habe, als Vorbereitung auf eine neue Funktion oder Aufgabe. «Das ist am sinnvollsten und ergibt, wenn man die Theorie unmittelbar in die Praxis umsetzen kann, auch den grössten Lerneffekt», beteuert er. Vom Gelernten und von dem, was ihn das Leben selbst gelehrt hat – unter anderem Empathie, Mut und eine gewisse Risikobereitschaft –, will er möglichst viel seinen Mitarbeitenden weitergeben. Zudem nutzt er sein Wissen, um sich für gute Rahmenbedingungen seiner Branche einzusetzen. Er engagiert sich im Beirat der Hochschule Luzern für die Studiengänge Gebäudetechnik und -Elektro-Engineering sowie in verschiedenen beruflichen Fachkommissionen und Standesorganisationen.
Quelle: Handelszeitung
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