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05.04.2019 von: energie-cluster.ch

«Wir müssen das Wachstum von der Emissionsentwicklung abkoppeln»

Interview mit Andrea Burkhardt, Abteilungschefin Bundesamt für Umwelt (BAFU), Abteilung Klima, Bern, Referentin an der Jahrestagung des energie-cluster.ch vom 14. Mai 2019

Welche konkreten negativen Auswirkungen hat der steigende CO2-Gehalt in der Atmosphäre auf das globale Klima und speziell auf jenes in der Schweiz?

Die Schweiz ist aufgrund ihrer geografischen Lage und ihrem empfindlichen Gebirgsökosystem stärker betroffen als andere Weltregionen. Der beobachtete Temperaturanstieg in den letzten 150 Jahren ist mit 2 Grad Celsius doppelt so hoch wie der Weltdurchschnitt. Dies ist bereits sicht- und spürbar: Die Gletscher ziehen sich rasant zurück, die Sommer werden heisser und trockener. Letztes Jahr mussten Militärhelikopter den Kühen Wasser auf die Alpweide bringen. In den Bergen schmilzt der Permafrost, der das Gestein zusammenhält. Die Folgen sind häufigere Steinschläge.

Das Übereinkommen von Paris, das 2015 von der Schweiz mitunterzeichnet wurde, verpflichtet die Staaten zur CO2-Reduktion. Was heisst das für unser Land in Mengen und Zahlen?
Die Schweiz hat sich international zur Halbierung ihrer Treibhausgasemissionen bis 2030 verpflichtet. Das Übereinkommen von Paris hat zum Ziel, die globale Erwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius, idealerweis unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Es hält fest, dass dafür eine rasche und massive Absenkung der Treibhausgasemissionen nötig ist. Spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts muss der CO2-Kreislauf der menschlichen Aktivitäten geschlossen sein. Was immer wir dannzumal noch emittieren, muss durch sogenannte Senken aufgewogen werden. Senken sind Ökosysteme wie Wälder und Böden, die CO2 aufnehmen. Zur Diskussion stehen auch geologische Lagerstätten zur Versorgung von CO2.

Das Thema über die Reduktion der CO2-Emissionen (CO2-Gesetz) ist im Bundesgesetz verankert. Sein Inhalt wird aktuell im Parlament beraten. Welche Regeln gelten in Sachen CO2-Reduktion heute konkret, was sind diesbezüglich die Aussichten in absehbarer Zukunft?
Das geltende CO2-Gesetz enthält Ziele und Massnahmen bis 2020 und verlangt, dass die Treibhausgasemissionen der Schweiz 20% unter das Niveau von 1990 sinken. Gegenwärtig berät das Parlament eine Totalrevision, um im Einklang mit Übereinkommen von Paris die nächste Etappe bis 2030 zu regeln. Der Bundesrat will den bewährten Instrumentenmix fortführen und punktuell verschärfen. Dazu gehören unter anderem die CO2-Abgabe auf Brennstoffen, die Förderbeiträge aus dem Gebäudeprogramm und CO2-Vorschriften für Fahrzeuge.

In Ihrem Referat werden Sie sich an der Jahrestagung des energie-cluster.ch konkret zur CO2-Abgabe auf Brennstoffe und die Auswirkungen auf den Gebäudesektor äussern. Was darf das Publikum erwarten?
Die CO2-Abgabe ist keine Steuer, sondern eine Lenkungsabgabe. Die Verteuerung fossiler Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas und Kohle soll zu einem effizienten Verbrauch anregen. Zudem werden Investitionen in klimafreundlichere Energien attraktiver. Die Einnahmen fliessen nicht in die Staatskasse, sondern werden grösstenteils zurückverteilt; der Anteil an die Bevölkerung gleichmässig pro Kopf. Dieser Mechanismus belohnt sparsame Bürgerinnen und Bürger. Ein Drittel ist reserviert, um Gebäudesanierungen, erneuerbare Energien und Geothermie-Projekte finanziell zu unterstützen. Die CO2-Abgabe eröffnet daher Chancen für einen klimafreundlichen Umbau des Gebäudeparks, wie eine Studie des energie-clusters im Auftrag des BAFU aufzeigt.
Quelle und gesamter Artikel: energie-cluster.ch
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